Noch 7 Tage: „Es macht von Jahr zu Jahr mehr Spaß“
Jochen Hendel bei der akribischen Vorarbeit für das Weltcup-Opening.
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Noch 7 Tage: „Es macht von Jahr zu Jahr mehr Spaß“

Klingenthal (2014).  Bereits seit mehr als 40 Jahren ist seine Stimme untrennbar mit dem Wintersport in Klingenthal verbunden. Schanzensprecher Jochen Hendel versorgt auch die Fans in der Sparkasse Vogtland Arena mit Ergebnissen und Informationen.
„Ich bin nur einer von vielen.“ Das sagt Jochen Hendel mehr als einmal, wenn er über sein Ehrenamt spricht. Und wer ihn kennt, der weiß, dass er es genau so meint. Auch in der Sprecherriege in der Vogtland Arena. Während Bernd Schädlich und Jan Meinel am Schanzenauslauf für Stimmung sorgen, ist Hendel oben auf dem Kampfrichterturm für die Fakten zuständig, verkündet die Weiten und Punkte.
Angefangen hat alles 1963. Da wurde der heute 73jährige Kampfrichter, war unter anderem bei den Spartakiaden in der ehemaligen DDR im Einsatz. 1969 wurde Hendel stellvertretender Organisationsleiter beim Internationalen Damenskirennen in Mühlleithen. „Irgendwann Mitte der 70er war ich da dann plötzlich Moderator. Und bin es seither geblieben“, erzählt der drahtige Klingenthaler mit der markanten Stimme. „Mir wurde schon einige Male gesagt, dass meine Stimme recht auffällig ist. Aber wenn ich mich selbst sprechen höre, gefällt sie mir nicht so sehr“, schmunzelt Jochen Hendel. Bei wie vielen Wettkämpfen er inzwischen mit Mikrofon an der Schanze oder an der Loipe stand, weiß er nicht mehr. „Es sind ja bei weitem nicht nur die Weltcups. Die sind ein- oder vielleicht zweimal im Jahr. Mir liegen vor allem die kleineren Wettbewerbe am Herzen, wie etwa das Miniskifliegen oder die Aschbergskispiele.“ Abstriche bei der Vorbereitung macht er dabei nicht. „Wenn es um die Weltcups geht, ist die Vorbereitung ja verhältnismäßig einfach. Man findet Informationen zu allen Athleten im Internet. Das ist bei den ganz kleinen Knirpsen schon schwieriger.“ Jochen Hendel betreibt quasi seine eigene Datenbank, hat Informationen zu unzähligen Wintersportlern parat. Denn eines ist ihm besonders wichtig: „Auch bei den Weltcups in der Sparkasse  Vogtland Arena möchte ich nicht nur zu den prominentesten Athleten etwas sagen können, sondern Informationen zu allen Springern anbieten. Manche finden das ein wenig übertrieben. Aber ich bekomme immer wieder Rückmeldungen von den Fans, dass sie gerade das sehr schätzen. Und auch wenn man zum Schülercup der 13-jährigen zu jedem Starter ein paar Worte erzählen kann, ist das gerade für junge Sportler eine tolle Sache.“
Dass ihm gerade der Nachwuchs so sehr am Herzen liegt, hat möglicherweise auch berufliche Gründe. Denn auch im Arbeitsleben war Hendel sowohl der Jugend als auch dem Sport verbunden – als Sport- und Geschichtslehrer mit zwei Hochschulabschlüssen in Leipzig und Potsdam. Seine schönsten Lehrerjahre erlebte er nach der politischen Wende in Deutschland. „Ich war 12 Jahre lang Lehrer an der Förderschule für Lernbehinderte in Auerbach. Dort habe ich meine berufliche Erfüllung gefunden“, erzählt Hendel noch heute mit leuchtenden Augen.
Die leuchten auch, wenn er an seine schönsten Erlebnisse als Sprecher zurück denkt. „Der Weltcup auf der Aschbergschanze 1986 war natürlich ein Höhepunkt. 14 Tage vorher habe ich erfahren, dass die Weiten auch in Englisch und Französisch angesagt werden müssen. Also habe ich zwei Wochen lang die notwendigen Zahlen in beiden Sprachen gelernt. Kurz vor dem Wettkampf sagte man uns dann, dass französisch doch nicht benötigt wird. Die Atmosphäre damals, vor 30.000 Zuschauern – das war etwas ganz Besonderes.“
Ganz weit oben auf der Liste der großen Erlebnisse stehen natürlich auch die Wettkämpfe in der Sparkasse Vogtland Arena. „Das sind aus Wintersportsicht die größten Höhepunkte im Vogtland und in ganz Sachsen. Die Weltcups sind die Krönung.“ Aufhören möchte Hendel noch lange nicht: „Es macht von Jahr zu Jahr mehr Spaß.“
Übrigens: Natürlich hat Jochen Hendel auch eine familiäre Beziehung zum Sport. Enkelin Helene-Therese ist Biathletin, trainiert am Oberhofer Bundesstützpunkt. Angefeuert hat er sie dabei schon häufig. Mit seiner unverwechselbaren Stimme.