Noch 9 Tage: Weltcup-Pokale werden geschnitzt
Susanne Müller schnitzt die Pokale für die Weltcup-Gewinner in Klingenthal.
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Noch 9 Tage: Weltcup-Pokale werden geschnitzt

Klingenthal (2014). Das Weltcup-Opening der Skispringer in Klingenthal, das ist für das Vogtland etwas ganz Besonderes. Und deshalb gibt es auch ganz besondere Pokale für die Sieger und Platzierten. Es sind handgeschnitzte Kunstwerke. Die Klingenthaler Schnitzkünstlerin Susanne Müller fertigt derzeit die Trophäen.
Vor ihr auf dem Tisch in der Werkstatt am Aschberg liegt ein Quader aus Lindenholz, darauf  aufgemalt mit selbst gefertigter Schablone  ist ein Skispringer, in der Hocke kurz vorm Absprung. „Die Umrisse säge ich mit einer Bandsäge aus, dann werden die einzelnen Springer auseinander geschnitten“, beschreibt sie die ersten Arbeitsgänge. Mit Schnitzmessern, Bildhauerklöppel, Stechbeitel und anderen Utensilien lässt sie die kleinen Figuren entstehen. Einige blaue Pflaster an den Fingern zeigen, dass es wie beim Skispringen auch bei ihr nicht immer ohne Verletzung abgeht. „Das gehört dazu“, lacht sie und entlockt dem kleinen Holz vorsichtig Augen, Nasen, Ohren. „Die Liebe zum Detail ist meine Handschrift“, kommentiert sie.
Susanne Müller ist Autodidaktin. Ihr Sohn fand als 14jähriger Schnitzen toll, konnte bei einem Bekannten zuschauen. Wenn es dann zuhause nicht weiterging, half Mutti. So kam sie selbst auf den Geschmack, zumal sie Handwerkliches interessierte und sie sich auch beruflich verändern wollte. Zunächst war die Schnitzerei Hobby, dann Nebengewerbe, seit 2011 ist sie mit ihrer „Holzkunst Müller – Schnitzkunst  Pyramidenbau“ selbstständig. Gemeinsam mit ihrem Mann Matthias lässt sie aus Holz verschieden Figuren, Räucherzeug, Krippen, Pyramiden  entstehen – und zum zweiten Mal die Pokale für die Erstplatzierten des Weltcup-Openings.  Letztes Jahr war es ein Springer im Auslauf, der bei den Aktiven gut ankam. Vor allem die drittplatzierten Japaner strahlten. Jetzt also der Adler im Absprung.
„Mein Mann hatte dieses Jahr die Idee für den Pokal und er ist für viele kleine Details, wie die Bindungen auf den Skiern, zuständig“, so die Schnitzerin.
Beiden ist eine gute Portion Stolz anzumerken, weil sie auf diese Weise den Weltcup mitgestalten können. „Durch unsere Kinder, die früher auch beim VSC trainiert haben, sind wir sowieso mit dem Wintersport verbunden. Und wir ziehen den Hut vor den Organisatoren in der Arena, wie sie das alles schaffen. Jeder Klingenthaler sollte da mitmachen, die Firmen zusammenarbeiten, weil der Weltcup Klingenthal und die Region voranbringt“, sagt Susanne Müller. Dass sie die Pokale ein gutes Stück unter Preisliste liefern ist der Sponsorenbeitrag von Holzkunst Müller.
Dann greift Susanne Müller zum nächsten Holzstück, um es in einen kleinen Springer zu verwandeln. Insgesamt 15 filigrane Figuren sind zu fertigen, für die jeweils drei Erstplatzierten im Teamwettbewerb am 22. November und die drei Besten des Einzelspringens am 23. November. Eine Firma im Erzgebirge graviert die Grundplatten. In der Werkstatt liegen die 15 Schanzentische bereit, ebenso die 30 Skier. Und die unterschiedlichen Farben für Skianzüge, Brillen, Schuhe und Helme sind gemischt. Susanne Müller läuft also jetzt mit ihrem Mann  wie die Aktiven zu Bestform auf, damit zum Weltcup-Opening in Klingenthal alles passt.